Totengedenken und Gräbersegnung in St. Agnes bei Oschenitzen
Es ist Allerheiligen - wir feiern in der Filialgemeinde St. Agnes bei Oschenitzen (Pfarre St. Ruprecht bei Völkermarkt) die Wortgottesfeier zu ALLERHEILIGEN. Was bedeutet dieses Fest? Wer / was ist ein Heiliger? Diesen Fragen gehen wir nach, hören die Schriftlesungen, die Fürbitten, meditative Gedanken ...
Anschließend feiern wir das Totengedenken
Ich begrüße Sie alle ganz herzlich zu dieser Andacht,
in der wir gemeinsam unserer lieben Verstorbenen
gedenken wollen. In dieser Stunde soll Raum sein
für unsere Trauer und die Möglichkeit,
der Trauer Ausdruck zu geben.
Wir wollen aber auch auf uns schauen
und uns der Frage stellen: Wie kann es weitergehen?
Wir stehen in den Tagen des Herbstes. Es ist Erntezeit.
Das lässt uns zunächst rückwärts schauen!
Was habe ich gesät, was ist gewachsen, was ist vergangen ...? Doch was ist auch an Neuem geworden? -
Das Jahr über treffen wir uns,
weil uns Gleiches zusammenführt, nämlich:
der Verlust von einem lieben Menschen.
Heute gilt die Einladung, gemeinsam an unsere Lieben
zu denken und für sie und mit ihnen zu beten.
Wir dürfen darauf vertrauen, Gott ist immer an unserer Seite, auch dann, wenn wir an ihm zweifeln und fragen:
Warum? Warum ich?
Gott gibt die Zusage:
ICH BIN DA!
Ich bin in deiner Dunkelheit
ich bin in deiner Trauer
ich bin in deinen Tränen
ich bin deinen Fragen
ich bin in deiner Verzweiflung
ich bin in deiner Einsamkeit
ich bin in deiner Sehnsucht
nach Licht, Wärme, Geborgenheit.
Auch wenn du mich nicht siehst
auch wenn du mich nicht spürst
auch wenn du an mir zweifelst:
ICH BIN DA!
Die Namen aller Verstorbenen seit dem Allerheiligen-Fest 2010 werden verlesen (31 Menschen aus der gesamten Pfarre) - eine sonderbare, erfüllende Stille ist in der Kirche ...
Gebet
Gott, vieles aus der gemeinsamen Zeit
möchte ich festhalten:
gute Erinnerungen
gemeinsame Stunden
gemeinsame Wege
gemeinsame Feste
gemeinsame Urlaube
gemeinsame Lebensjahre
und noch vieles, vieles mehr.
Jetzt habe gespürt:
Festhalten kann auch weh tun.
Ich habe gewagt freizulassen.
Für einen Augenblick habe ich meine Hände geöffnet.
Ich sehe, ich staune,
was in meiner Hand aufgegangen ist - aufgeblüht ist.
Ich will dieses Bild mitnehmen in meinen Alltag
und erinnere mich in Stunden des Festhaltens daran,
dass Neues nur wachsen kann, wenn ich mich öffne.
Dabei darf ich mir Zeit lassen,
ich muss mich nicht überfordern.
Ich wage kleine Schritte, zaghafte Schritte,
zögernde Schritte,
auch mutige Schritte in mein Leben,
getragen von den Erinnerungen
an gute, gemeinsame Zeiten.
Lass mich leben aus der Hoffnung:
Es gibt ein Wiedersehen,
denn du bist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten.
Amen.
Nach den Feierlichkeiten gehen die Leute auf die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen - ich darf die Gräbersegnung feiern, Bernadette und Philipp, die beiden Ministranten begleiten mich,
wenn wir beim Geläute der Kirchenglocken über den Friedhof gehen und die Gräber segnen.
Christi Potocnik
Fotos: Franziska David | >> zur Fotogalerie